Der deutsche Ost-Handel ist in 21 osteuropäischen Ländern von Januar bis Mai  2017 um gut zehn Milliarden Euro auf insgesamt 52 Milliarden Euro angestiegen, ein Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Übersicht).

Nach Angaben des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft legten die deutschen Exporte in diesen Ländern um 18 Prozent zu, die deutschen Importe aus der Region kletterten sogar um 27 Prozent. Die deutschen Exporte nach Osteuropa wachsen damit derzeit fast dreimal so stark, wie der gesamte deutsche Export. Nach einer langen Reihe von Krisenjahren – beginnend mit der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008 bis hin zum Ukraine-Russland-Konflikt – verzeichnen allein 16 Staaten in Osteuropa wieder Zuwächse. Besonders erfolgreich zeigt sich die derzeitige Entwicklung im Handel mit der Ukraine, Kasachstan und Russland.

Neue Risiken für die Konjunktur gehen von den soeben vom amerikanischen Repräsentantenhaus beschlossenen neuen Sanktionen gegen Russland aus. Sie erschweren damit gleichzeitig auch Geschäfte deutscher und europäischer Unternehmen. Die neuen US-Sanktionen sollen sich beispielsweise gegen alle internationalen Unternehmen wenden, die mit signifikanten Beträgen am Ausbau, der Modernisierung oder dem Erhalt russischer Exportpipelines beteiligt sind. Dies wäre nach Auffassung des Ostausschusses ein fundamentaler Eingriff in die europäische Energieversorgung und würde zu steigenden Energiepreisen und einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft führen. Insgesamt gibt es rund 90 russische Exportpipelines, darunter das Pipelineprojekt Nordstream 2, an dem unter anderem Firmen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien mitwirken.

Aufgrund der guten Handelsentwicklung in den ersten fünf Monaten 2017 hebt der Ost-Ausschuss seine Prognose für den deutschen Export nach Russland kräftig an. Anstelle des zu Jahresbeginn erwarteten Zuwachses von rund zehn Prozent, wird nunmehr auch ein Ergebnis von plus 20 Prozent als realistisch angesehen. Auch für den Export in die Ukraine und nach Kasachstan werden Zuwächse von über 20 Prozent im Gesamtjahr 2017 erwartet. Diese Prognosen stehen allerdings unter dem Vorbehalt, dass die neuen US-Sanktionen nicht zu einer neuen Verschärfung des Ost-West-Konfliktes führen.